Das war einst die Hoffnung: Mit der Schulpflicht gehört der Analphabetismus in Deutschland der Vergangenheit an. Doch Ende der 1970er Jahre, als neue Technologien den Arbeitsmarkt massiv veränderten, wurde deutlich: Eine hohe Zahl Erwachsener verfügt über zu geringe Schriftsprachkompetenzen.

Bis 2011 wurde die Anzahl der Menschen in Deutschland, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, auf 4 Millionen geschätzt. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der „leo. – Level-One Studie“ (2011) der Universität Hamburg lagen erstmals repräsentative Forschungsergebnisse vor: Demnach sind ca. 7,5 Millionen der erwerbsfähigen Bevölkerung und damit 14,5 Prozent der 18 bis 64-Jährigen betroffen.

Diese Zahlen bedeuten für unser Bundesland: In Sachsen-Anhalt zählen rund 200.000 Menschen zu den Betroffenen.

Funktionaler Analphabetismus nach Erstsprache in %

 

    Diese Entwicklung ist dabei längst nicht nur als ein Phänomen im Rahmen von Zuwanderung und Migration zu sehen. Die leo.-Studie ermittelte 4,4 Millionen Betroffene mit Deutsch als Erstsprache und 3,1 Millionen mit einer anderen „ersten Sprache“.

    Ein halbes Jahrzehnt später sieht die Welt wieder anders aus: Die Gruppe der Menschen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch ist deutlich gewachsen, die Thematik Deutsch als Zweit- bzw. Fremdsprache erhält ein weitaus größeres Gewicht.

    Deshalb: Das Thema wird auch zukünftig eine zentrale Rolle spielen. Am 1. April 2017 startete offiziell die LEO-Grundbildungsstudie als Nachfolgestudie der „leo. – Level-One Studie“. Sie stellt einen wichtigen Baustein der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung dar. Erste Ergebnisse können Mitte 2018 erwartet werden und die bisherigen Erkenntnisse untermauern.

    Quellen bzw. Links:
    Grotlüschen, Anke; Riekmann, Wibke (2011): leo. - Level-One Studie. Presseheft. Universität Hamburg, Hamburg.
    OECD: Ländernotiz – Erhebung über die Fähigkeiten und Fertigkeiten Erwachsener erste Ergebnisse. Online abrufbar: https://www.oecd.org/skills/piaac/Country%20note%20-%20Germany%20(DEU).pdf