Menschen, die im beruflichen, privaten oder auch ehrenamtlichen Kontext mit Eltern und Kindern arbeiten, kamen am 19. September 2017 in das Roncalli – Haus nach Magdeburg , um sich auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Schrift zu begeben. Das Team vom Projekt alpha elementar hatte zur jährlichen Fachtagung eingeladen und konnte fast 120 Erzieher*innen, Logopäd*innen, Weiterbildner*innen, Ergotherapeut*innen, Sprachberater*innen, Ehrenamtliche in der Hausaufgaben – und Flüchtlingshilfe und sogar einen Kinderbuchautor begrüßen.

Die besondere Aufmerksamkeit des Landes Sachsen – Anhalt erfährt das Projekt alpha elementar durch seinen Modellcharakter im Netzwerk alpha und in seiner Fokussierung auf das Vorschulalter als Zeit des Weichenstellens für den späteren Umgang mit der Schriftsprache.

Die Grußworte der Staatssekretärin Frau Edwina Koch – Kupfer, der Referentin des Bildungsministeriums Frau Annette Sprengel und der Netzwerkkoordinatorin Frau Dr. Reinhild Hugenroth unterstrichen diese Aspekte deutlich und lobten das Projekt für seine Pionierarbeit auf diesem Gebiet.

Ganz im Sinne des lebenslangen , aber auch des gehirngerechten Lernens war die Fachtagung organisiert. Dem Hauptvortrag von Frau Prof. Dr. Renate Valtin am Vormittag folgten vertiefende und praxisnah gestaltete Workshops am Nachmittag. Frau Prof. Dr. Renate Valtin, führend in der Forschung zum kindlichen Spracherwerb und unter anderem Vorsitzende der Europäischen Lesegesellschaften, nahm ihre Zuhörer*innen mit auf eine „Entdeckungsreise in die Welt der Schrift“ . Sie zeigte sehr anschaulich auf, wie sich Kinder dieser Welt nähern und welche Lernvoraussetzungen es dafür bedarf.

Die Forschungen der Professorin im Ruhestand sind Pionierleistungen auf dem Gebiet der Schriftsprachentwicklung und zeigen auf, dass diese Entwicklung bereits mit dem ersten Kritzeln des Kindes, also lange vor dem Schuleintritt beginnt. In ihrem Entwicklungsmodell verdeutlichte sie, dass sich bei allen Kindern ähnliche charakteristische Stufen ihrer Fähigkeiten und Einsichten zeigen, sie sich aktiv auf die Forschungs – und Entdeckungsreise in die Welt der Schrift begeben. Für Prof. Dr. Valtin zeigen sich unmittelbare Zusammenhänge von historischen Schriften und Kinderschriften auf. Die Schrift, so führte die Rednerin aus, hat sowohl für die große Menschheitsgeschichte als auch für die persönliche Entwicklung eine besondere Bedeutung. Bereits die Schreibrichtung und der Aufbau der Schrift sind kulturell unterschiedlich. So wird in unserer Kultur von links nach rechts gelesen und geschrieben, Worte sind daran erkennbar, dass Buchstaben eng zusammenstehen, es eine Lücke zum nächsten Wort gibt. Im Deutschen gibt es dazu Regeln zur Groß – und Kleinschreibung von Worten. Der Rednerin lag es am Herzen, darauf zu verweisen und aufzuzeigen, dass  diese Besonderheiten der Alphabetschrift von Lernenden eine hohe Abstraktionsleistung erfordert. Insbesondere Kindern fällt es zudem schwer zu verstehen , dass sich beim Schreiben das Wort von den Dingen löst , beispielsweise lange Gegenstände wie „Zug“ in einem kurzen Wort geschrieben werden. Dazu gibt es in Alphabetschriften weniger Buchstaben als Laute gesprochen werden. So klingen die Buchstaben “ch” im Wort “Ich” ganz anders als im Wort “Ach” .

Frau Prof. Dr. Valtin ermunterte ausdrücklich dazu, als aufmerksame und gefühlvolle Wegbegleiter*innen Kindern dieses stückchenweise Hineinwachsen in die Schriftwelt zu erleichtern. Möglichkeiten, Chancen und Ideen, mit denen Kinder und ihre Eltern unterstützt werden können, boten Workshops an, die nach dem Mittagessen stattfanden.

Es gab fachspezifische Angebote: „ Das linkshändige Kind “ und einen vertiefenden Workshop der Hauptrednerin. Dazu eröffneten kreative Ideen, wie Kalligraphie, künstlerisches Gestalten und Musik unterschiedliche Zugänge zur Schrift. Spezielle Formen des Vortragens und Erzählens von Märchen und Geschichten, eine Zeitreise zur Entstehung von Schrift rundeten den Strauß der Angebote ab, die alle das Ziel hatten, die Kinder zu Schrift – und Zeichenforschern werden zu lassen. Die Workshops liefen parallel. Deshalb gab die Plenumsdiskussion am Nachmittag allen Workshop – Leiter*innen die Möglichkeit, die Arbeit der letzten neunzig Minuten vorzustellen. Frau Miriam Schmidt, Pädagogin der Stadtbibliothek Magdeburg , beeindruckte besonders mit dem Vortrag der gemeinsam im Workshop erarbeiteten Kamishibai – Geschichte. Die Teilnehmer*innen der Fachtagung bescheinigten auch allen anderen Ideengebern eine sehr praxisnahe Betrachtung der Themen und offene Atmosphäre in den Arbeitskreisen.

Die Fachtagung beendete der Leiter des Roncalli – Hauses und des Projektes alpha elementar , Herr Guido Erbrich , mit einer Geschichte zum kreativen Umgang mit dem Alphabet und lud zur nächsten Fachtagung im Jahr 2018 ein.

"Fachtagung „Die Kunst zu schreiben – Wie Kinder die Welt der Schrift entdecken“ mit einem Grußwort der Landesnetzwerkstelle" 0 Kommentare

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