Das war einst die Hoffnung: Mit der Schulpflicht gehört der Analphabetismus in Deutschland der Vergangenheit an. Doch Ende der 1970er Jahre, als neue Technologien den Arbeitsmarkt massiv veränderten, wurde deutlich: Eine hohe Zahl Erwachsener verfügt über zu geringe Schriftsprachkompetenzen.

Bis 2011 wurde die Anzahl der Menschen in Deutschland, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, auf 4 Millionen geschätzt. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der „leo. – Level-One Studie“ (2011) der Universität Hamburg lagen erstmals repräsentative Forschungsergebnisse vor: Demnach sind ca. 7,5 Millionen der erwerbsfähigen Bevölkerung und damit 14,5 Prozent der 18 bis 64-Jährigen betroffen.

Diese Zahlen bedeuten für unser Bundesland: In Sachsen-Anhalt zählen rund 200.000 Menschen zu den Betroffenen.

Bildungsabschluss* der funktionalen Analphabet*innen in %

    *untere Bildung: Hauptschulabschluss und darunter; mittlere Bildung: mittlere Reife, höhere Bildung: Fachabitur und darüber (inkl. vergleichbarer Abschlüsse, die in der ehemaligen DDR und im Ausland erworben wurden)

    Die allgemeine Annahme, dass jemand mit geringen Grundbildungskompetenzen keinen Schulabschluss besitzen kann, wird von den Ergebnissen der „leo. – Level-One Studie“ (2011) widerlegt. Während 20 Prozent der Betroffenen tatsächlich keinen Schulabschluss gemacht haben, können 80 Prozent Hauptschulabschlüsse bis hin zu einem Fachabitur und darüber hinaus aufweisen.

    Die Wahrscheinlichkeit später zu den funktionalen Analphabet*innen zu gehören, liegt bei Erwachsenen ohne Schulabschluss bei nahezu 60 Prozent. In der Gruppe mit unteren Bildungsabschlüssen wird jeder vierte betroffen sein.

    Grotlüschen, Anke; Riekmann, Wibke (2011): leo. - Level-One Studie. Presseheft. Universität Hamburg, Hamburg